Tolle Impressionen von unserer 700+1 Momarter Jahresfeier

CHRONIK

Liebe Momarterinnen, liebe Momarter, liebe Gäste,

ich möchte Sie im Namen des Festkomitees, das aus Mitgliedern des Ortsbeirats und der Momarter Vereine besteht, recht herzlich zu unserer 700 Jahr-Feier begrüßen.
Eigentlich sind wir zu spät dran mit dieser Feier, denn die erste urkundliche Erwähnung jährte sich bereits im letzten Jahr zum 700-ten Mal.
Aber wie bekannt musste das Fest coronabedingt verschoben werden. Genau genommen hätten wir auch schon im Jahr 2019 feiern können, denn vor 1200 Jahren wurde Mamenhardt erstmals erwähnt.

Aber beginnen wir von vorne, vor fast 2000 Jahren:

Etwa 85 nach Christus beginnen die Römer auf dem Höhenzug zwischen Mümlingtal und Maintal mit der Anlegung des Limes. Durch die heutige Momarter Gemarkung führt die Hohe Straße als Verbindungsweg von der Mümling zum Limes. Wer auf der Hohen Straße geht, wandelt quasi auf den Spuren der Römer.

200 Jahre später überrennen die Germanen den Limes und drängen die Römer bis zum Rhein zurück. Im Odenwald lassen sich die Alemannen nieder.
Nach dem Sieg des Frankenkönigs Chlodwig über die Alemannen werden die Franken die Herren im Odenwald. Mamenhart d.h. der Wald des Mamo, erhält seinen Namen vermutlich von Mamo, einem fränkischen Adeligen.

Einhard, der Biograph Karls des Großen und bekannt wegen der Einhardsbasilika in Steinbach, bekommt im Jahr 814 von dessen Sohn Ludwig dem Frommen die Mark Michelstadt übereignet. Einhard tritt sie jedoch zusammen mit der heutigen Gemarkung Momart an das Kloster Lorsch ab.

„Mamenhart“ wird in einer Urkunde des Jahres 819 – also vor den genannten 1200 Jahren – im Lorscher Codex als Teil der Michelstädter Gemarkung erstmals genannt. Doch hier ist noch der Bergwald, die Anhöhe nördlich einer kleinen Siedlung von wenigen Häusern im alten Grund am Waldbach gemeint.

Ab dem 12. Jahrhundert beginnt das Kloster Lorsch mit der planmäßigen Besiedlung des Odenwaldes. Hierzu werden bewaldete Höhen gerodet und Waldhubendörfer gegründet. In dieser Zeit entstehen auch die Momarter Huben. 1321, also vor 700 Jahren, wurde „Maminhard“ als Dorf auf der Anhöhe erstmals urkundlich erwähnt.

Mit der Teilung der Mark Michelstadt in die Centen Erbach und Michelstadt wird Momart zunächst zur Hälfte, später ganz den Schenken von Erbach übertragen. 1454 besteht Momart aus 11 Huben, 12 Hofstätten und hatte 70 Einwohner.

In den Jahren um 1570 wird die Momarter Eiche gepflanzt, die 450 Jahre alt wird und viele Jahrzehnte als Wahrzeichen Momarts gilt.

Durch die schlimme Pest kommen viele Menschen ums Leben und nach dem 30-Jährigen Krieg hat Momart nur noch 14 Einwohner in 3 Huben. Der Odenwald ist weitgehend entvölkert und die Grafschaft Erbach wirbt Neusiedler aus der Schweiz an. Von den zugezogenen Schweizern stammen unter anderem die Namen Kredel, Schweizer, Hotz, Löw oder Trumpfheller ab.

Danach entstehen die ersten Häuser, die auch heute noch stehen, an der heutigen Hohen Straße zwischen den Anwesen Kratz und Trumpfheller. Eines der ältesten Häuser ist die Hohe Straße 36/38, auf einem Balken befindet sich die Jahreszahl 1662.
Die Häuser haben Hausnamen, die meist aus Berufen, aber auch von den Namen oder vom Aussehen der Bewohner hergeleitet werden.
Anlässlich des Festes werden die alten Hausnamen an den Anwesen angebracht.

1747 wird die Grafschaft Erbach geteilt. Momart wird der Linie Fürstenau zugesprochen und hat inzwischen 17 Grundbesitzer und 122 Einwohner.

1806 geht die Grafschaft in das Großherzogtum Hessen auf. Momart hat nun einen eigenen Friedhof und bereits 224 Einwohner.

In dieser Zeit grassieren die Pocken, auch Blattern genannt, die viele Todesopfer fordern. In der Grafschaft Erbach werden durch den Michelstädter Arzt Dr. Heinsius erstmals Impfungen durchgeführt und die Epidemie damit wirksam bekämpft, noch bevor 1807 die Impfpflicht in Bayern als weltweiter Vorreiter eingeführt wird.

1821 wird die hessische Gemeindeordnung eingeführt, anstelle des Schultheiß tritt ein gewählter Bürgermeister. Die Gemeinden Momart und Weiten-Gesäß werden zu einer gemeinsamen Bürgermeisterei zusammengeschlossen. Bürgermeister wird Friedrich Hofmann von der weißen Hube. Anstelle des Haingerichts tritt der Gemeinderat.

1850 registriert Momart einen Bevölkerungshöchststand mit 387 Einwohnern, die Zeiten sind schlecht, das Wasser ist knapp und viele Odenwälder wandern in die USA aus.
Rund 20 Jahre später wird die Odenwaldbahn in Betrieb genommen, das Schulhaus, die Totenaufbewahrungshalle und ein neuer Friedhof werden errichtet und es beginnt eine zweite große Auswanderungswelle nach Amerika.

1896 wird die TSG gegründet und die Kreisstraße nach Zell wird fertiggestellt.

1905 wird die Wasserleitung von Eulbach nach Momart gebaut, kurze Zeit später eine Posthilfsstelle mit öffentlichem Fernsprecher im alten Gasthaus „Zur Post“ eingerichtet. Hier wird täglich der Wetterbericht telefonisch durchgegeben und auf einem schwarzen Brett veröffentlicht.

1910 werden der Männergesangverein gegründet, der Schulsaal eingeweiht und eine Viehwaage angeschafft. Die Viehwaage befindet sich dort, wo heute die Schulbushaltestelle am Anwesen Trumpfheller liegt.

Dann kommt der schlimme Erste Weltkrieg. Momart beklagt 18 Gefallene, denen zu Ehren 1922 ein Ehrenmal errichtet wird. Das Dorf wird an das Elektrizitätsnetz angeschlossen. Noch im gleichen Jahr brennen in allen Häusern elektrische Glühbirnen.

1927 wird eine Dreschhalle am Dalles – heute Feuerwehrhaus – errichtet und eine Dreschmaschine gekauft. In den darauffolgenden Jahren wird die Straße nach Bad König gebaut, 1935 die Freiwillige Feuerwehr gegründet und eine Zisterne hergestellt.

Leider gibt es wieder einen schrecklichen Krieg. Momart beklagt im Zweiten Weltkrieg 11 Gefallene. Trotzdem steigt die Einwohnerzahl wieder an, denn es kommen nach dem Krieg mehr als 100 Heimatvertriebene nach Momart, insbesondere aus Ungarn, Sudetenland oder aus Gebieten östlich der Oder-Neiße-Linie.

1952 werden die Momarter Ortsstraße kanalisiert und anschließend auch die Nebenstraßen asphaltiert. Es werden gemeinschaftlich insgesamt 40 Gefriertruhen angeschafft, die im Erdgeschoss des Hauses Berta und im Scheunenanbau des Anwesens Kredel aufgestellt werden. In dieser Zeit gibt es 66 Traktoren im Ort, die ältesten waren Ensinger-Traktoren Baujahr 1948 bei Kratz und Müller.

1964 wird der Landfrauenverein gegründet. In den folgenden Jahren wird eine neue Leichenhalle am Friedhof eingeweiht. Die Oberstufe und später auch die Grundschule werden nach Bad König abgegeben.

1971 erfolgt die Eingemeindung nach Bad König und die Erschließung des Neubaugebietes in den Hauswiesen. Im nächsten Jahr werden das Feuerwehrhaus und 2 Jahre später das Sportlerheim eingeweiht.

Mit Gründung der Brauchtums- und Folkloregruppe 1989 hat Momart insgesamt 5 sehr aktive Vereine und 3 Wirtschaften. Das Vereinsleben und das gemütliche, gesellschaftliche Beisammensein, bei dem auch die vielen Kurgäste eine Rolle spielen, nehmen einen hohen Stellenwert ein. Leider verändert sich das Freizeitverhalten im Lauf der Jahre stark mit negativen Auswirkungen auf die Vereine. So wird die Brauchtums- und Folkloregruppe wieder aufgelöst, die TSG hat keine Handballabteilung und keine aktive Tischtennissparte mehr, die Tanzgruppe der Landfrauen ist nicht mehr aktiv, der Männergesangverein kann nur noch zusammen mit Langen-Brombach in einer Singgemeinschaft agieren und die Feuerwehr ist leider auch nicht mehr einsatzfähig.

Aktuell hat Momart rund 360 Einwohner in 160 Haushalten und 37 Gewerbetreibende.
Während der Ort in den vergangenen Jahrhunderten überwiegend landwirtschaftlich und handwerklich geprägt war, ist er inzwischen hauptsächlich ein Wohngebiet. Die Bewohner sind meist in den umliegenden Städten und Gemeinden beschäftigt und pendeln zu ihren Arbeitsorten.

Wichtig ist deshalb, dass die Infrastruktur verbessert wird, z.B. durch Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs und einer schnelleren Internetanbietung, um auch Homeoffice besser zu ermöglichen.

Der Odenwald und gerade Momart profitieren von der herrlichen Landschaft, deshalb sollte er als Naherholungsgebiet weiterentwickelt werden.

Das kommunale Entwicklungskonzept Perspektive Bad König 2022+ stellt als Nachteil in Momart heraus, dass ein Dorfmittelpunkt fehlt. Es empfiehlt, den Dalles als Dorfplatz zu entwickeln unter Einbeziehung des Feuerwehrhauses, Begrünung mit Bäumen als Schattenspender und Sitzbänken. So soll ein Mittelpunkt als Treffpunkt oder für kleinere dörfliche Veranstaltungen entstehen, was wir ja bereits in der Vergangenheit bei Feuerwehrfesten und auch heute mit diesem Fest praktizieren. Die Stadt beabsichtigt, das Entwicklungskonzept im Lauf der nächsten 7 Jahre umzusetzen. Die Freitagsrunde im Sportlerheim hat schon mal vorab zwei Bänke gespendet, vom Ortsbeirat kommt noch ein Tisch aus Spendengeldern hinzu.

Wichtig ist, dass sich nicht nur die Vereine, sondern alle Einwohner auch weiterhin gemeinsam zum Wohle des Orts engagieren.

Wenn es zudem gelingt, die Infrastruktur zu verbessern, bin ich optimistisch, dass Momart nicht nur eine Vergangenheit, sondern auch eine gute Zukunft hat. In diesem Sinne wünsche ich eine schöne Feier und bedanke mich für die Aufmerksamkeit.

Momart, den 17.07.2022

Manfred Seeanner