Momarter Geschichten

Katastrophenjahr 1921

Das Jahr 1921 brachte eine ungewöhnliche Hitze und Trockenheit. Darüber berichtet der Lehrer Ernst Gröbe:

“Der Sommer zeichnete sich durch eine große Hitze und Trockenheit aus. Wochenlang fiel kein Tropfen Regen. Der Wasserstand der deutschen Flüsse war so gering, dass keine Schiffe fahren konnten. Quellen, die seit Menschengedenken jahraus, jahrein liefern, setzten aus. An anderen Orten wie zum Beispiel Michelstadt wurde die Wasserleitung für gewisse Stunden am Tage gesperrt, um an dem kostbaren Getränk zu sparen. Wir in Momart hatten keinen Mangel daran. Es konnten sogar große Mengen überschüssiges Wasser zum „Lecken“ der gesetzten Rüben verwandt werden. Im Allgemeinen war hier der Pflanzenbestand infolge des schweren, feuchten Bodens ist immer noch besser als sonst wo. Grünfutter, Heu und Ohmet waren äußerst spärlich. Der Körnerertrag war gut, besser als man erwartet hatte. Kartoffeln- und Rübenernte ließen sehr zu wünschen übrig. Die Ernten fielen um etwa drei Wochen früher als in normalen Jahren, die Halmfrüchte zum Beispiel wurden bereits Ende Juli geborgen. Aus allen Teilen Deutschlands berichteten die Zeitung besonders über den schlechten Kartoffelertrag. Bloß die Weinbauern waren voll des Lobes über das „gute“ Wetter. Mir erzählte eine Frau den Ausspruch einer Wahrsagerin: „1921 ein Glutjahr, 1922 einen Flutjahr, 1923 ein Blutjahr.“ Der erste Teil traf zu!“

Einzug einer Braut im Momart (Georg Müller III.)

Im Jahre 1899, am 8. Juli, verlobte ich mich mit Elisabeth Berg von Ebersberg, Tochter von Landwirt Jakob Berg und dessen Ehefrau Christina geb. Berg. Meine Braut ist geboren am 24. Oktober 1880. Mein Geburtstag ist am 6. September 1874.
Meine Frau brachte mir eine Morgengabe mit von 12.000 DM an barem Geld, eine große Aussteuer und eine trächtige gelbfalbe Kalbin. Der Einzug war am 7. September 1899, Donnerstag nach der Momarter Kirchweih.
Ich fuhr früh 4:00 Uhr mit Kratz seinem Knecht hier weg nach Ebersberg. Je weiter, dass wir nach dort kamen, je stärker regnete es. Um 8:00 Uhr kamen wir an, und um ½ – 10 Uhr fuhren wir dort weg. Je weiter, dass wir nach Momart kamen, desto schöner wurde es. Überhaupt schien die Sonne vom Abfahren bis zur Ankunft. Im Momart war es so warm, dass die Wagen mit den Möbeln beim Abladen in den Schatten geschoben werden mussten. Gefahren sind wir folgender Reihenfolge: zuerst Scholze – W. Berg, dann Kratz, dann Ludwig Bär von Haisterbach, dann meinen Schwiegereltern ihr Wägelchen. An Möbeln hatte meine Braut einen runden Tisch, sechs Stühle, einen Blumentisch, einen eichenen Kleiderschrank, einen eichenen Küchenschrank, Kleidergestell, einen Weißzeugschrank, zwei Betten, einen nussbaumen Sekretär, einen Nachtisch und Stühlchen und als Gothengeschenk einen dunkelroten Plüsch-Diwan.