Infrastruktur

Zur zivilen Infrastruktur zählt ein Netz von Einrichtung, die der Allgemeinheit zugutekommen. Die Versorgung mit Wasser und Elektrizität befriedigt wirtschaftliche Grundbedürfnisse. Feuerschutz und Nachtwache (bis 1926) vermitteln das Gefühl einer gewissen Sicherheit, wenn im Dorf ein Brand ausbricht. Die Gemarkung wurde durch Wege erschlossen, das Dorf durch Straßen an das Mümlingtal und die Odenwaldbahn angebunden.
Das Schulhaus diente auch außerschulisch, bei kirchlichen Veranstaltungen als kultureller Mittelpunkt. Das Glockengeläut gab dem im Felde arbeitenden Dorfbewohnern bestimmte Uhrzeiten an, alarmierte bei Feuerausbruch und mahnt noch heute bei Beerdigungen und anderen kirchlichen Anlässen zur inneren Einkehr. Nach der Errichtung eines eigenen Friedhofs (1799) mussten die Toten nicht mehr nach Zell gebracht werden. Durch die eigene Poststelle konnten die Momarter selbst mit den nach Amerika ausgewanderten Verwandten, Freunden und Bekannten in Verbindung bleiben. Die Hebamme war jederzeit zur Geburtshilfe und zur sanitären Hilfeleistung bereit, als es nur wenige erreichbaren Ärzte und noch keine Krankenhäuser mit Entbindungsstation gab. Die Anlegung von Sportstätten und -heimen, schuf als Ausgleich für die Alltagsarbeit und den Stress Voraussetzung für eine sportliche Freizeitgestaltung. Durch die Erschließung eines Neubaugebietes in den Hauswiesen konnte neues Bauland ausgewiesen und in der Einwohnerzahl einen Höchststand von 403 erreicht werden.

Wasserversorgung

Bis zum Bau einer zentralgesteuerten Wasserleitung erfolgte die Wasserversorgung Momarts ausschließlich durch Brunnen. Erste Informationen über die Momarter Brunnen liefern zu Beginn des 19. Jahrhundert Gemeinderechnungen.
Die „Wäid“ wie der 1,50 m tiefe Dorfteich in Momart genannt wurde, diente der Feuerwehr als Wasserbehälter sowie der gesamten Bevölkerung als Waschplatz für Geräte, Wagen und Tiere. Nach dem Bau der Wasserleitung (1905) wurde der Weiher zugeschüttet. Nach dem Großbrand 1936 erbaut man auf dem Gelände für die Feuerwehr eine Zisterne.
Immer wieder kam es im Momart zu Wassermangel. Aufgrund einer Verfügung des Kreisverbandes Erbach vom 29.10.1859 durften Familie nur noch 2-3 Eimer, Einzelpersonen sogar nur noch ein Eimer Wasser zugeteilt werden.
Zur langfristigen Sicherung der Wasserversorgung bot sich in Momart nur eine Alternative an: der Bau einer Wasserleitung. Im Jahr 1904 war es dann so weit. Die Mehrzahl des Gemeinderats stimmte für eine Wasserleitung. Der Bau begann am 13.03.1905. Trotz Hindernisse mit Wasser und Steinen war die Arbeit bis Ende Juli beendet, und die Einweihung konnte am 16.07.1905 stattfinden. Der Festakt fand am Reservoir (Foto) statt. 

Danach zogen sämtliche Festteilnehmer in einem Zuge, voran eine Musikkapelle, auf den Festplatz, wo dann bis zum Abend bei Konzert und Jugendspiele die Festgäste in gemütlicher Stimmung verweilten. Der Anschluss an das Momarter Wasserleitungsnetz wurde zunächst von 47 Haushalten beantragt. 1906 waren es dann 50, die durch das Ortsnetz versorgt wurden. Im Jahre 1953 überprüfte das Medizinal-Untersuchungsamt (Landesimpfinstitut) Darmstadt das Wasser. Die amtliche Beurteilung lautete wie folgt:
“Die untersuchten Wasserproben haben eine geringe Keimzahl und enthalten keine Darmbakterien. Das Wasser ist somit nach dem derzeitigen bakteriologischen Befund einwandfrei. Nach der chemischen Analyse handelt es sich um ein deutlich saures, sehr weiches Wasser, bei dem praktisch die Gesamtmenge an freier Kohlensäure aggressiv wirkt. Das Wasser greift also Rohrmaterial und Mauerwerk an. Durch Entsäuerung könnte dies verhindert werden. Der Eisengehalt ist etwas hoch. Der übrige chemische Befund ist ohne Besonderheiten.“

Normalerweise reichten diese zufließenden Wassermengen aus, nur an 2-3 Tagen in der Woche (wenn gewaschen geputzt wird) trat Wassermangel ein. Um diesen zeitweiligen Missstand zu beheben, hatte sich die Gemeinde Momart – noch im gleichen Jahr dazu entschlossen – neben den bestehenden Behälter einen weiteren Behälter von 100 Kubik Inhalt zu errichten. Durch diese Maßnahme soll eine größere Reserve geschaffen werden, so dass ein besserer Ausgleich des jeweiligen Bedarfes möglich ist. Außerdem soll dabei der Brandwasservorrat, der zurzeit nur 25 Kubik beträgt, auf 83 Kubik erhöht werden.

Im folgenden Jahr stellte man fest, dass infolge der undicht gewordenen Leitung auf dem Wege von der Quellkammer bis zum Hochbehälter weit mehr Wasser, als vom Bauingenieur berechnet, verloren geht, nämlich dreiviertel. Eine Erneuerung der Leitungsrohre war aus Kostengründen für eine kleine Gemeinde wie Momart ohne nennenswerte Gewerbesteuereinnahmen nicht finanzierbar. Fürs erste entschloss man sich zur Anschaffung von Wasseruhren, danach wurden in einer neuen Gebührenordnung die Verbrauchspreise für das Wasser kräftig angehoben.

Elektrizitätsversorgung

Bis Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden die Wohnräume noch notdürftig durch, brennende Holzspäne beleuchtet. Diese brannten in einer quadratischen Wiese an eine Küchenwand, die mit dem Hauptrauchfang des Hauses in Verbindung stand. Um 1860 führte man die ersten Petroleumlampen ein. Seit 1866 konnte nach Entwicklung der Dynamomaschine elektrische Energie als Antriebskraft genutzt werden. 1879 entwickelte Tomas A. Addison die erste Glühbirne. Drei Jahre später konnte man elektrischen Strom der Stromleitungen über größere Entfernungen hinweg leiten. Bis er seinen Weg in das abgelegene Momart finden würde, sollten noch vier Jahrzehnte verstreichen.
Über die Beleuchtungsverhältnisse in Momart während des I. Weltkrieges, als das Petroleum knapp wurde, schreibt der Schulgehilfe Wilhelm Greim:
“Da das Wetter (im Winter 1914/15) fast immer trübe war, musste man gar oft um 4:00 Uhr bis 5:00 Uhr (nachmittags) das Licht anzünden. Aber die Hauptsache fehlt, nämlich das Petroleum. Das war eine Not. Um 8:00 Uhr hatten die meisten Leute sich schon zu Bette begeben, dass ihn an Petroleum mangelt; andere saßen bei Stearin-Licht, das trübe hin- und her flackert. Noch andere hatten sich Carbid-Lampen zugelegt, das wohl sehr hell brennt, aber auch ziemlich teuer ist. Es ist doch gut, wenn elektrisches Licht vorhanden ist. In manchen Orten wurde der Preis für Petroleum um 100 % hinaufgeschraubt, und trotzdem waren die Leute froh, wenn sie nur Petroleum kaufen konnten. Den Petroleum-Wagen muss man unwillkürlich mit dem Rattenfänger von Hameln vergleichen. Fast alle Kinder liefen, das Petroleumkännchen in der Hand, schreiend dem Wagen nach, so dass die Schar diese Kleinen immer größer wurde. Hält er dann still, so drängt sich alles in den Laden. Und kaum ist der Wagen weggefahren, so ist das Petroleum wieder verkauft, und ist ein großes Glück, wenn man als dann noch ¼ Liter bekommen kann.“
Bald nach dem I. Weltkrieg konnten dann auch im Momart die alten Petroleum-Lampen durch elektrisches Licht ersetzt werden. Im Herbst 1921 wurde vom Gemeinderat die Elektrizitätsversorgung Momarts beschlossen. Momart wurde an das bereits bestehende Stromnetz der hessischen Eisenbahn-Aktien Gesellschaft (HEAG) im Mümlingtal angeschlossen.
Am 13.11.1922 war es endlich soweit, dass das leidige Laufen nach dem Petroleum ein Ende fand und in den Häusern Momarts das elektrische Licht seinen Einzug nahm.

Friedhof

1799 legte man im Garten des “Gemeinen Schulhauses“ den ersten Momarter Kirchhof an. Vorher mussten die Toten von Momart nach Zell gebracht werden, wo sie ihre letzte Ruhe fanden. Die Momarter ließen sich ihrem Friedhof etwas kosten, was aus einer Gemeinderechnung ersichtlich ist. Laut Eintrag in Kirchbuch fand die erste Beerdigung auf dem Momarter Friedhof am 14.8.1799 statt. Hier wurde der kleine Junge „Johann Niklas“ im Alter von 3 Jahren und 8 Monaten beerdigt.
1927 wurde der alte Friedhof aufgegeben und die Gräber eingeebnet. Die Steine der alten Friedhofsmauer fanden 1932 beim Wegebau Verwendung. 1963 wurden auf dem neuen Friedhof die ersten Gräber geräumt und planiert. Mit dem Bau einer neuen Leichenhalle konnte im Herbst 1964 begonnen werden. An den Kosten beteiligten sich die Momarter durch Spenden.

Nachtwächter

Aufgabe des Nachtwächters war es, auftauchendes Diebesgesindel zu verscheuchen und auf etwa ausbrechendes Feuer zu achten. Mit einem Nachtwachthorn musste an den vom Ortsvorstand bestimmten fünf Plätzen, zu den gesetzlich vorgeschrieben Stunden geblasen werden. In den Wintermonaten dauerte der Nachtdienst von 22:00 Uhr bis 3:00 Uhr, sonst von 22:00 Uhr bis 2:00 Uhr. Ein besonderer Nachtdienst musste auf behördliche Anordnung hin, auch in den Neujahrsnächten abgestellt werden. Durchschnittlich wurden im Monat dazu 6 Mann beordert. In unruhigen Zeiten waren Sicherheitswachen einzurichten. Im Revolutionsjahr 1848 werden 23 Mann genannt, die im Momart in der Nacht für Sicherheit zu sorgen hatten.