Kultur

Den Hauptanteil an der kulturellen Erschließung des Odenwaldes steuerte die Kirche bei. Bei der Unterweisung der Landbevölkerung in Religion und Sittlichkeit bediente sie sich als Ausdrucksmittel der Sprache. Martin Luther schuf mit der Übersetzung der Bibel aus dem lateinischen eine allen verständliche, von Literaten wie Goethe und Schiller weiter entwickelte neuhochdeutsche Sprache. Religiöse Empfindungen bestimmten beim Bau und der inneren Ausgestaltung der Gotteshäuser das Kunstschaffen. Auch im Bildungswesen wurde die Kirche führend. Die Michelstädter Schule wird 1532 erstmals erwähnt.

Michelstädter Marktplatz mit Brunnen, Rathaus und Pfarrkirche. Stahlstich von Schneider/Voltz um 1850

Nach der Einführung der Reformation (um 1539) ließen die Landesherren an den Pfarrorten Schulen errichten. Bis zur Einführung der hessischen Verfassung im Jahre 1820 diktierten die geistlichen in den Schulen ausschließlich den Gang der Bildung und Erziehung. Die Schulmeister waren Ihnen selbst in privaten Angelegenheiten unterstellt. Die Lage der Lehrer bessert sich erst, als sie an Lehrerseminaren eine berufsspezifische Ausbildung erhielten und ein eigenständiger Lehrerstand heranwuchs.

Die an der Momarter Schule geleistete musische Arbeit strahlte bei öffentlichen Auftritten auch auf das Volk aus. Seit knapp einem Jahrhundert sind es dann vor allem etliche Vereine, die das Programm von dörflichen Feierstunden und Festen durch kulturelle Darbietungen in Musik, Laien Spiel, Brauchtum, Tanz und anderen artistischen Formen bereichern.

Kirche

Die Bevölkerung der alten Mark Michelstadt, zu der auch die Momarter Gemarkung gehörte, wurde durch Mönche aus dem Raum Würzburg zum Christentum bekehrt. Patron des Bistums Würzburg und Apostel der Franken ist der heilige Kilian, ein irischer Wanderbischof, der um 689 aus Rachsucht der Herzogin den Märtyrertot sterben musste. Heute erinnert in Franken an ihn noch der Kilianstag (8. Juli), der in Verbindung mit Wallfahrten und Volksfesten begangen wird.

Die Katholiken Momarts musste im 19. Jahrhundert weite Wege gehen, wenn sie an einem katholischen Gottesdienst teilnehmen wollten. Ab 1821 war dies nach der Berufung eines ständigen geistlichen in der Burgkapelle auf dem Breuberg und ab 1850 nach der Errichtung einer katholischen Kirche in Neustadt möglich. Erst seit 1905 können die Momarter Katholiken in der Nähe einen Gottesdienst besuchen, nach dem Vielbrunn-König – zu einer selbstständigen Pfarrkuratie – einem von der Mutterpfarrei Neustadt abgetrennten Gebiet mit eigener Kirche und eigenem Seelsorger – erklärt wurde.

Veränderungen blieben aber auch für die evangelischen Gemeindemitglieder nicht aus. Die von Lehrern in der Momart Schulstube durchgeführte Betstunden werden 1853 letztmals aktenkundig. 1873 erscheint in der Besoldungsnote des Lehrers Heinrich Winter kein Kirchendienergehalt mehr. Die Betstunden waren wahrscheinlich bald nach 1853 durch Gottesdienste ersetzt, zu denen von Michelstadt ein Pfarrer nach Momart kam. Wie vorher die Betstunden, fanden sie monatlich zweimal, im Momarter Schulsaal, der als Gottesdienstraum diente, an einem Sonntagnachmittag statt.

Kirchenpfade von Momart nach Michelstadt, nach einer Vorlage von Gg. Freiling

Stand eine Beerdigung an, dann sammeln die Schulkinder nach altem Brauch am offenen Grab. Als Momart noch keine Schule hatte, besorgten Schüler aus Michelstadt das Leichensingen. Zwischen 1683 und 1711 war der Michelstädter Lehrer Christoph Müller verpflichtet, mit einigen älteren Schülern „auf die Dörfer zu gehen, wenn Leichen und Gestorbene zu begraben“ waren.

Erst nach dem ersten Weltkrieg wurde das Leichensingen der Schulkinder allgemein eingestellt.
Eine wichtige Funktion als Verbindungsglied zwischen der Kirchengemeinde und ihrem Pfarrer hatten die Mitglieder des Kirchenvorstandes zu erfüllen. In Filialorten wie Momart waren sie der verlängerte Arm des Geistlichen. Andererseits hatten sie die besonderen Interessen der Dorfbevölkerung gegenüber der Kirche zu vertreten.

1953 gab die Pfarrei Michelstadt den Ort Momart an Bad König ab.