Momart und sein Umfeld

Momart ist heute im hessischen Odenwaldkreis mit circa 400 Einwohnern ein Stadtteil von Bad König.

Der Ort liegt in 340 m Seehöhe auf einem Hochplateau östlich des Mümlingtals, 150 Höhenmeter oberhalb des Talgrundes. Die Dorfbewohner haben eine Straßenverbindung nach Zell und Bad König im Mümlingtals, wo Anschlüsse an die Bundesstraße 45 und an die Odenwaldbahn bestehen. Die Kreisstrasse nach Zell und (3 km) besteht seit 1896. Eine schmälere, für den Lastkraftwagenverkehr gesperrte Straße nach dem damaligen Bad König (2 km) wurde 1933 gebaut. Nach Weiten-Gesäß und Kimbach, den anderen Nachbarorten, gelangt man zu Fuß auf erholsamen Feld- und Waldwegen, mit dem Auto über Zell bzw. Bad König. Für den Naturfreund, Tier- und Pflanzenwelt ist es von unschätzbarem Gewinn, dass am Parkplatz der Momarter Eiche Endstation für den Autoverkehr ist und ab dort dıe Wanderwege noch durch eıne Oase der Stille und Beschaulichkeit führen.

Noch vor knapp zweitausend Jahren war dies anders. Die Anhöhe, auf der sich heute Momart ausbreitet, steigt gen Osten bis zu einem langgestreckten Höhenzug, der Wasserscheide zwischen Mümling und Main – sanft an. Auf ihm verlief bis 260 n.Chr. der Limes, ein von den Römern zum Schutze ihres Imperiums errichteter Grenzwall. Die Hohe Straße, die über Momarter Gemarkung dorthin führte, dürfte ein Nachschubweg für ihre an diesem Grenzabschnitt stationierten Legionäre gewesen sein.

Vorderseite einer Postkarte aus 1917

Momart entstand als W a l d h u b e n d o r f . Die Huben wurden in Streifen aus dem Wald gerodet. Ehe in den letzten zwei Jahrzehnten das Neubaugebiet „In den Hauswiesen“ entstand, hatte der Ort infolge der Huben Einteilung noch den Charakter eines Reihen- oder Straßendorfes. Urkundlich wird Momart erstmals 1321 im Zusammenhang mit den Erbstreitigkeiten unter den Schenken von Erbach als „Maminhard“ genannt. Der Name erscheint schon 819 In der Schenkungsurkunde Einhards, als dieser die Mark Michelstadt dem Kloster Lorsch vermachte. Der „m o n t e M a m e n h a r t “ wird in der Urkunde als Grenzpunkt im Norden der Mark Michelstadt angegeben. Paul Freiling, ein Altphilologe, deutet Maminhard als Wald des Mamo. Dieser war aller Wahrscheinlichkeit nach, ein fränkischer Adliger, der nach der Eroberung des alemannischen Gebietes durch die Franken Teilgebiete des östlichen Odenwaldes übereignet bekam.

Rückseite der Postkarte – Datum 18.IX.17

Zu einer Reihe von Orten der näheren Umgebung entstanden historisch gewachsene Beziehungen. M i c h e l s t a d t war als Sitz des Amtmanns und Cent Gerichts der für Momart zuständige Verwaltungs- und Gerichtsort .Nach dem Anschluss der Grafschaft Erbach an das Großherzogtum Hessen werden die Momarter Gerichtsfälle vor dem Landgericht und seit 1879 vor dem Amtsgericht Michelstadt abgewickelt. Bis 1953 gehörten die Momarter der Pfarrei Michelstadt an. E r b a c h war mit seinem Schloss Mittelpunkt der Herrschaft und späteren Grafschaft Erbach. 1822 wurde Erbach Verwaltungszentrum des Landratsbezirks Erbach, 1848 des Regierungsbezirks Erbach, 1852 des Kreises Erbach und 1972 des Odenwaldkreises . Erbach F ü r s t e n a u erhielt nach der 1747 erfolgten Landesteilung der drei Erbacher Linien das neugeschaffene Amt F ü r s t e n a u dem auch Momart zugeteilt wurde, zugesprochen. Nach Einführung der hessischen Verfassung (1820) behauptete die Standesherrschaft weiterhin einige herrschaftliche Rechte. Bei der Ab1Ösung alter Verbindlichkeiten wie den Grundlasten und Frondiensten musste Momart an das Haus Erbach-Fürstenau den mit Abstand höchsten Beitrag an Grundrenten abführen.
Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wandten sich in Not geratene Momarter in Bittgesuchen an den Grafen von Erbach-Fürstenau. zu K ö n i g bestanden, was die Ablösung der feudalen Abgaben zeigt, alte herrschaftliche Abhängigkeiten Dies gilt bezüglich der Körniger Pfarrei und des Hauses Erbach-Schönberg wie die Grundrentenablösung bestätigt . Die Wurzeln reichen bis in die Zeit vor 1388 zurück, als ein Teil der Momarter Gemarkung noch zur Königer Feldmark gehörte, ehe dann ganz Momart Erbach untertan wurde. Bereits 1849 bemühten sich die Momarter um eine kirchliche Loslösung von Michelstadt des langen und beschwerlichen Weges wegen und um Aufnahme im Kirchspiel König. Dies konnte erst Ende 1953 erreicht werden. König war für Momart auch wirtschaftlich ein Anziehungspunkt. In dem Ort fanden zahlreiche Momarter, vorübergehend vor allem als Zigarrenmacher, einen Arbeitsplatz. Sext der Auflösung der Momarter Schule (1970) werden die‘ Momarter Kinder mit Bussen In die Grundschule und danach in die Haupt- und Realschule Bad König gebracht. Sext der Eingemeindung Momarts nach Bad König Im Jahre 1971 ist das Höhendorf ein Ortsteil, seit 1980 ein Stadtteil des Kurortes. Mit Zell unterhielt Momart seit nachweisbar Mitte des 18. Jahrhunderts, als beide Orte in der Einwohnerzahl noch gleich groß waren, eine gemeinsame Schule. Bis 1799 wurden die Momarter Toten auf dem Zeller Friedhof zu Grabe getragen. Nach der Inbetriebnahme der Odenwaldbahn (1871) kamen auch die Momarter in den Genuss einer Zugverbindung zu den Handels- und Industriezentren. Seit der Einweihung der Kreisstrasse Zell – Momart (1896) besteht ein direkter Anschluss an das Straßennetz des Mümlingtals und seines Einzugsbereiches.

Mit Weiten-Gesäß unterhält Momart gutnachbarliche Beziehungen. Die meisten in Momart Eingeheirateten stammten daher, gefolgt von Zell und König. Von 1822 bis 1837 bildeten beide Orte eine politische Verwaltungsgemeinschaft mit einem gemeinsamen Bürgermeister. Im Sellengrund überließ Weiten-Gesäß dem Höhendorf ein Gelände zur Fassung einer Quellkammer, die Momart seit 1905 mit dem lebensnotwendigen Wasser versorgt. In den Orten Momart, Weiten-Gesäß und Zell lässt sich in der Zeit von 1450 bis 1700 eine nahezu gleichlaufende Bevölkerungsentwicklung feststellen. Im 18. Jahrhundert gewann Weiten-Gesäß einen Vorsprung. Während sich in Momart und Zell die Anzahl der Häuser verdoppelte, verdreifachte sie sich in Weiten-Gesäß. Die Bevölkerung Momarts und Zells nahm in dieser Zeitspanne um das Dreifache, die von Weiten-Gesäß um das Vierfache zu. Der Grund ist in der unterschiedlichen Siedlungsform zu suchen. Bei der Streulage der Gehöfte in Weiten-Gesäß gab es zwischen den einzelnen Hofreiten Platz zu Neubauten. In Momart und Zell wurde dagegen geschlossen gesiedelt. Neue Häuser hätten am Ende des Weichbildes angelegt werden müssen. Dazu konnte man sich anscheinend wegen der Kosten neuer Brunnen nicht entschließen.

Im 19. Jahrhundert verdoppelte sich die Zahl der Häuser in Momart und Weiten-Gesäß, während die in Zell um das Zweieinhalbfache anstieg. In der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts in Momart und Weiten-Gesäß, wogegen in Zell die Zahl der Häuser und der Bevölkerung sich um die Hälfte steigerte.