Naturdenkmal

Wenn der Wanderer auf der hohen Straße den Höhen-Ort hinter sich gelassen hat und seine Schritte am Sportplatz vorbei dem nahen Wald zu lenken, kam er auch an der großen Eiche mit ihrem dicken Stamm und den weit ausladenden Ästen vorbei. Der Baum war sehr alt, niemand vermag sein Alter genau zu bestimmen.
Es war 1927: Bürgermeister Schäfer und der Beigeordneter Müller saß mit ihren Gemeinderäte Schwöbel, Flechsenhaar, Müller III., Sattler, Lust, Friedrich und Kroll beisammen. Was sie bewegt, war die Frage: wie soll von nun an die schöne Eiche an der hohen Straße genannt werden? Sie war damals Eigentum des Bauern Wilhelm Schwöbel. Einigkeit herrscht bei den Gemeinderäten darüber, dass die alte Eiche ein Naturdenkmal ist und deshalb unter Naturschutz gestellt und erhalten werden sollte. Ein entsprechender Antrag wurde an diesem Abend formuliert und abgesandt. Dies war am 6. März 1927.
In der Flur gab es einst die“ alte Momart“, eine frühere Siedlung, und so kamen die Räte auf die “alte Momart – Eiche“.
Nur fünf Jahre trug die Eiche diesen Namen. Dann kam der 14. Juni 1933. Wieder saßen Bürgermeister Schäfer und die Beigeordneten zusammen. Die Zeiten haben sich geändert. Die Nationalsozialisten waren in die Rathäuser eingezogen. Auch im Momart. Da kam auch wieder die alte Momarter Eiche ins Gespräch und auch auf die Tagesordnung der Gemeindevertretung. Der Beschluss im Sommer 1933 lautete: die alte Eiche soll „Adolf Hitler Eiche“ genannt werden. Sie hieß zwölf Jahre so. Dann rollt 1945 amerikanische Panzer ins Dorf uns aus „Adolf Hitler Eiche“ wurde die Momarter Eiche“. Diesen Namen besitzt sie heute noch.
1969 kommt die Eiche wieder ins Gespräch. Es geht um die Einrichtung eines Sportplatzes für die TSG. Experten hatten das Gelände um die Eiche als vorzügliches Sportgelände auserkoren, und so begann die Verhandlungen im Wesentlichen mit dem Landwirt Graz, der mittlerweile Eigentümer der Eiche war. Im Zuge des Grundstücksaustausches zwischen Kratz und Gemeinde wurde für die alte Eiche der Betrag von 100 DM diskutiert. Ein Jahr später, am 25. September 1970, kam es zur Unterzeichnung des Tauschvertrages, und die Eiche gelangt in die Obhut der Gemeinde. In den vergangenen Jahren hatte die Eiche derart Schaden genommen, dass sich Baumchirurgen ihr Annehmen mussten. Und wie könnte es bei solch einem staatlichen Baum anders sein: die Momarter erblickten in ihm ihren Baum im Odenwald.

1977 hier Pfarrer Gerhard Schulz unter der alten Eiche einen Feld-Gottesdienst, zu dem sich neben Momartern auch im Ort weilende Gäste einfanden und bei dem Bläser des evangelischen Posaunenkurs mitwirkten. Ähnliche kirchliche Veranstaltungen wiederholten sich dort. Aber auch Momarter Vereine und andere Gruppen treffen sich zu besonderen Anlässen unter der Eiche.

Am 29. April 2018, am Sonntag zur Abendzeit schlug der 400 Jahre alten Momarter Eiche leider die letzte Stunde. Das auf ganz Bad König ausstrahlende Wahrzeichen des Höhen-Stadtteils, brach die gesamte Krone weg und stürzte zu Boden. Das Herzstück des Pflanzenveteranen endete auf der Straße. Übrig ließ das Schicksal allein den Stumpf des mächtigen Baumstamms, um den herum Mitarbeiter des Bauhofs und lokale Helfer am Montagvormittag das herabgefallene Astwerk beseitigten.

„Da ist nicht nur ein Baum, sondern auch ein gutes Stück meines Heimatdorfs weggebrochen“, kommentierte der Momarter Landwirt Hans Trumpfheller das Geschehen. „Mein Vater hatte Tränen in den Augen, als ich ihm das Malheur gezeigt habe.“ Die Betroffenheit der Stadtteil-Bevölkerung lasse sich geradezu greifen, zumal Abbruch und Aufprall hunderte Meter weit zu hören gewesen seien: „Das war, wie wenn einer den Rollläden heruntersausen lässt“, charakterisiert Trumpfheller das markante Geräusch.