Verwaltung

Gemeinderat

Kurt Neßler – letzter Bürgermeister von Momart (Dienstantritt 01.09.1968)

Der Gemeinderat traf nach Einführung der hessischen Gemeindeordnung (1821) anstelle des seitherigen Haingerichts alle kommunalpolitischen Entscheidungen. Er bestimmte, was in Momart angeschafft und gebaut werden sollte; er handelte Verträge für Dienstleistungen aus; er sorgte für die Unterstützung der Hilfsbedürftigen und entschied über wirtschaftliche Anliegen wie dem Holzverkauf in den gemeindeeigenen Waldungen, die Versteigerung des Fasselviehs und der Jagd, die Versorgung der Dorfbevölkerung auf Wasser und später mit Strom. Eine Vertrauensperson des Gemeinderats kontrollierte die Rechnungsführung des Gemeinde-Einnehmers. Bürgermeister und Beigeordnete hatten sich stets nach den Beschlüssen und Weisungen des Gemeinderats zu richten.

Gemeinde-Einnehmer

Aufgabe des Gemeinde-Einnehmers war es, die der Gemeinde zustehenden Gelder einzutreiben sowie Auszahlungen vorzunehmen wie Gehälter, die bei den Versteigerungen vereinbarten Summen und die den Dorfarmen zugeteilten Almosen. In den Urkundebüchern heftete er das Quellmaterial ab. Der Gemeinde-Einnehmen musste korrekt und verschwiegen sein, er musste rechnen können und über ein gewisses Vermögen verfügen, da er als Pfand für eventuelle Unregelmäßigkeiten eine Kaution zu stellen hatte.

Polizeidiener

In kleineren Gemeinden wie Momart hat der Polizeidiener den Dienst eines Gemeindedieners zu versehen. Er wurde auch Ortsdiener genannt. Vor Einführung der Gemeindeordnung wurde das Amt im Haingericht ausgehandelt. Gewöhnlich geht es der Reihe nach unter den jungen Gemeindeleuten um. Die Betroffenen mussten die Aufträge und Bestellungen des Ortsvorstandes unentgeltlich besorgen. Danach war der Polizeidiener gegen eine Besoldung in seiner Gemeinde für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung verantwortlich. Er musste seine Vorgesetzten Dienstbehörde, dem Bürgermeister, alle ihm bekannt geworden Zuwiderhandlungen gegen bestehende Gesetze melden.

Feldschütz

Ähnlich wie der Polizeidiener im Ort, hatte der Feldschütz im Feld und Flur nach dem Rechten zu sehen. Bei seinen regelmäßig durchzuführenden Rundgängen notierte er sich in seinem Taschenbuch alle wahrgenommenen Vergehen. Am Ende einer jeden Woche hatte er alle ihm zur Kenntnis genommen „Feldfrevel“ der Ortspolizeibehörde, dem Bürgermeister anzuzeigen. Diese stellte die Notizen in einem Verzeichnis zusammen und leitete sie zur Ahndung an das zuständige Landgericht in Michelstadt weiter.

Forstwart

In der Zeit von 1833-1921 lassen sich in den Gemeindeakten zehn Personen namhaft machen, die in der Momarter Gemarkung den Dienst eines Forstschützen beziehungsweise Forstwart versahen. Zur Rechtfertigung, auch den Forstschützen eine Uniform zuzugestehen, heißt es am 17.10.1844 in einem Rundschreiben der Revierförsterei Erbach an den Bürgermeister in Momart unter anderem: „Es ist eine unzweifelhafte, aus dem Leben gegriffen der Tatsache, dass Leute, welche in anständiger Kleidung erscheinen, in den Augen des Volkes im Äußeren angesehener und beachteter sind als solche, denen dieses mangelt. Und besonders hat sich dieses bei denjenigen bewahrheitet, welche einen öffentlichen Dienst begleiten und in vielen Berührungen mit den ärmeren Klassen des Volkes stehen. Dazu gehört nun auch das Forstpersonal.“
In den Gemeinderechnungen gibt es keinerlei Hinweis, dass der Feldschütz – im Gegensatz zum Polizeidiener – von der Gemeinde eine Uniform gestellt bekam.

Gerichtsbarkeit

Centgericht

Die Gliederung der Herrschaft und späteren Grafschaft Erbach in Centen, diente hauptsächlich der Organisation der Gerichtsbarkeit, dem bis zur Einführung der hessischen Verfassung eigentlichen Träger und wichtigsten Bestandteil der Verwaltung. Als oberste Verwaltungsintuitionen entstanden in den einzelnen Centen die Cent- oder Landgerichte. Oberste Gerichtsherren waren die Erbacher, zunächst als Schenken, seit 1532 als Grafen. Das Landgericht war zuständig für die Abwicklung der „hohen“ oder „peinlichen“ Gerichtsbarkeit. Er sprach Recht über die vier „hohen Rügen“ wie Mord, Brandstiftung, Diebstahl und Notzucht.

Haingericht

Das Hanggericht war das eigentliche Gerichtes Dorfes. In ihm wurden alle die Gemeinde und seine Bewohner betreffenden Angelegenheiten geregelt und als eine Art Satzung in einer Dachordnung festgehalten. Eine solche von Momart liegt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts vor. Sie wurde am 28. Januar 1728 in Michelstadt von den Erbach Fürstenauischem Amtmann J. Gg. Heilmann unterzeichnet. Informationen über das Momarter Haingericht liefern zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Gemeinde Rechnungen. In diesen ist vermerkt wie viel Gulden der Amtmann für seine Tätigkeit bekommen hat.
Das Heimgericht lässt sich mit unserer heutigen Bürgerversammlung in vergleichen. Es war eine urdemokratische Einrichtung, die sich bis in die germanische Zeit zurückverfolgen lässt. Bis zum Ausgang des Mittelalters tagte es an bestimmten Tagen, viermal im Jahr. Die Männer erschienen ihrem Festgewand und nahmen unter der Dorflinde ihren Platz ein. Später traf man sich einmal im Jahr am Peterstag (22. Februar) in der Stube des Bürgermeisters oder im Wirtshaus. 1806 wird in den Momarter Gemeinderechnungen das Wirtshaus des Peter Kredel als Versammlungslokal angegeben. Im Anschluss an die Sitzungen wurde in fröhlicher Runde ein Teil der vereinnahmten Gelder wieder verausgabt. Verzehrt wurde vor allem Brot und Wecken.
Nach Einführung der hessischen Verfassung und hessischen Gemeindeordnung wurden die seitherigen Aufgaben des aufgelösten Haingerichts vom neu geschaffenen Gemeinderat übernommen.