Schulleben

Um 1532 entstand in Michelstadt die erste Schule des heutigen Odenwaldkreises. Nach Einführung der Reformation (1539) folgte an den Pfarrorten die Gründung so genannter Pfarrschulen, die von Pfarrern betreut wurden. Während des 30-jährigen Krieges brach das Schulwesen des hinteren Odenwaldes völlig in sich zusammen. Zwischen 1644 und 1753 bemühte sich die Herrschaft um dessen Wiederaufbau. In Filialorten wie Momart wurde bestenfalls im Winter von so genannten Schuldienern unterrichtet, die im Sommer einer anderen, besser bezahlten Beschäftigung nachgingen. Sie betreuten Kinder, die von den Eltern zum Erlernen des Lesens, Schreibens und Rechnens geschickt wurden. Die Schule wurde reihum in einer Bauernstube oder im Haus des Schuldieners gehalten, sofern dieser eins hatte. In diesem Fall hatten die Kinder jeden Morgen etwas Holz zum Heizen mitzubringen. Ledige Schuldiener wurden von den Bauern der Reihe nach am “Wandeltisch“ verköstigt. Im Momart geschah dies zeitweise noch bis zum Jahre 1836. Ab dem folgenden Jahr erhielt der Lehrer für den abgeschafften Wandeltisch aus der Gemeindekasse jährlich 60 Gulden. Ein Jahrhundert zuvor hatten es die Schuldiener oft nicht einfach, zu den ihnen zustehenden Geld zu kommen. Sie mussten das Schulgeld in bar oder Naturalien bei den einzelnen Bauern abholen und sehr oft mussten sie mehrmals vorstellig werden, bis sie ihr Geld bekamen.
Ein Vergleich zweier Schulordnungen aus der Zeit vor dem 30-jährigen Krieg und aus dem Jahre 1753 lässt erkennen, dass sich im Unterricht während dieser Zeitspanne kaum etwas änderte. Man teilte den Unterricht in eine “Frühschule“ (von 7:00 bis 10:00 Uhr) und eine “Nachmittagsschule“ (von 12:00 bis 15:00 Uhr) ein. Die starke Anlehnung der Schulordnung an die bestehende Kirchenordnung äußert sich unter anderem im Morgen- und Abendsegen, in den Bußpsalmen, geistlichen Liedern und Gebeten, die zum Beginn- und Abschluss des Unterrichts vorgeschrieben waren.

Schulglocke

Die Glocke hing in einem kleinen Türmchen auf dem Dach des Schulhauses. Man nannte sie daher Schulglocke. Sie Leute zu bestimmten Zeiten und besonderen ärztlichen Ereignissen wie bei Beerdigungen und Feuergefahr. Eine erste Nachricht von der Momarter Glocke wird uns am 06.01.1845 überliefert, als der Glöcknerdienst versteigert wurde. Das Protokoll hatte – auszugsweise – folgenden Wortlaut:

1) Geläutet muss werden:

a) jeden Tag mittags um 11:00 Uhr und abends, sobald der Tag sich neiget;
b) An Sonntagen vor den Betstunden, morgens um 7:00 Uhr als Signal;
c) …. Bei diversen Leichensituationen – morgens früh um 6:00 Uhr als Signal;
d) Wenn ein Feuer ausbricht, …..

Die Position des Glöcknerdienstes wurde versteigert, und zwar an denjenigen, der am wenigsten für diese Tätigkeit verlangen würde. Den 1. Zuschlag erhielt Georg Schum. Im folgenden Jahr übernahm unter der gleichen Bedingung bei einer um 10 Kreuzer hören Vergütung der Lehrer Jakob Jost den Glöcknerdienst. Über einen kleinen Zwischenfall berichtete Jost im Diarium der Schule: “Am 11.02.1846 konnte ich meine Verbindlichkeiten gemäß, nicht zur Nacht läuten, weil das Glockenseil beim ersten Zuge abriss.“

Im II. Weltkrieg musste, die Momarter Glocke zur Einschmelzung abgeliefert werden. Eine neue Glocke wurde am 18.12.1949 eingeweiht, der Glöcknerdienst gegen ein jährliches Entgelt von 52 DM an Adam Helmstädter vergeben. Nachfolgerin wurde dessen Ehefrau Anna Helmstädter.