Wirtschaftliche Belastungen

Die Momarter Siedler bekamen ihr Siedlungsland nicht als Almosen zugeteilt. Die Grundherren verlangten von ihnen und ihre Nachkommen regelmäßig zu entrichten der Abgaben in Form von Geld und Naturalien. Die Bauern mussten hart arbeiten, und die mit dem Grundbesitz verknüpften Abgaben und Frondienste ableisten zu können. Im Gegensatz zu ihren Vorfahren, den einst freien Germanen, waren sie Fast in das mittelalterliche Lehnswesen mit eingeplant und eingebunden. Dafür mussten sie aber nicht mehr mit in den Krieg ziehen. Dies besorgten für sie nunmehr die in den Adelsstand aufgestiegenen Grundherren. Die Bauern konnten also auch in der Zeit blutiger Fehden ihrer Alltagsarbeit nachgehen und um die wirtschaftliche Existenz ihrer Höfe und Familien besorgt sein.
Die ersten Abgaben, die alljährlich auf die Momarter Bauern zukamen, werden in einem Güte- und Zinsbuch des Schenken Philipp III. aus den Jahren 1454/58 überliefert. Damals gab es in Momart 11 ½ Huben, 12 Hofstätten sowie 5 gesondert besteuerte Wiesen. Ein Hofstatt war ein landwirtschaftlicher Zwergbetrieb, von dem sich eine Familie kaum ernähren konnte. Der Besitzer einer Hofstatt musste noch im Taglohn arbeiten oder nebenher ein Handwerk betreiben.
Als eine Art Einkommensteuer wurde von sämtlichen landwirtschaftlichen Erzeugnissen der Zehnte eingesammelt. Zum großen Zehnten zählten Korn und Hafer, zum kleinen Zehnten Flachs, Hanf, Rüben und seit 1720 nach deren Einführung auch Kartoffeln. Bis 1542 stand der Momarter Zehnte dem Kloster Steinbach zu. Nach Einführung der Reformation wurde das Kloster aufgelöst und in ein Spital verwandelt. 1542 verteilte man den Momarter Zehnten zunächst zu 1/5 an den Grafen zu Erbach, zu 1/10 an die Kirche zu Erbach und zu 7/10 an die Kirche zu König. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts erfolgte dann laut Salbuch aus 1605 die Verteilung nach einem anderen Modus. Die Eintreibung des Zehnten verlief nicht immer reibungsfrei. Am 04.10.1752 er suchte der Pfarrer Johann Georg Gepard zu König den Amtmann zu Erbach-Fürstenau um behördliche Unterstützung, bei der Beitreibung des Kartoffel- und Rübenzehnten, den zu liefern sich die Gemeinde Momart weigerte. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Anbau der Kartoffel in Momart auch das erste Mal aktenkundig.
Großzügige Pfarrer, die sich auf eine gute, sparsame Wirtschaftsführung des Pfarrguts verstanden, pflegten häufig stillschweigend ganz oder teilweise auf die Abgabe des kleinen Zehnten zu verzichten. Zu Schwierigkeiten kam es, wenn der Geistliche in schlechten Erntejahren auf die Erfüllung der Abgabepflicht bestanden. Dies änderte sich jedoch in den folgenden Jahren, denn die Abgabeverteilung der Gemeinde Momart wurde neu festgeschrieben und war dann gültig bis 1822, als man das Amt Fürstenau auflöste und den Landratsbezirk Erbach neu schuf.

Landwirtschaft

Momart war ursprünglich ein Hubendorf. Dies lässt sich aus Karten des 19. Jahrhundert nachweisen. In der vom Kloster Lorsch im Odenwald entwickelten Siedlungsform der Waldhuben erhielten die einzelnen Hübner, wie man damals die Bauern nannte, ineinander gereihten Streifen ihr Rodungsland zugeteilt.
Bis Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde die Landwirtschaft von dem uralten System der Dreifelderwirtschaft bestimmt. Das erste Drittel der Ackerbaufläche dient dem Anbau von Winter Getreide (Korn), auf das zweite Drittel sähte man überwiegend Sommergetreide an (Hafer, Gerste, Spelz), wäre das restliche Drittel als Brachland genutzt wurde. Das Vieh kann nur in den Wintermonaten in die Ställe, wo es als Grundnahrung mit den wenigen Wiesenheu durchgefüttert wurde. Den Sommer über blieb es meistens bei Tag und Nacht auf der Brache, nach dem Heuschnitt zum Weiden auf den Wiesen, da Grummet nicht eingebracht wurde. Von der Dreifelderwirtschaft kam man erst ab, nachdem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, infolge der stark angewachsenen Bevölkerung und den vermehrt auftretenden Missernten Ernährungsprobleme entstanden waren. Da musste nach neuen Wegen zur Intensivierung des Ackerbaus gesucht werden. Im Momart ging man dazu über, das Feld in drei Schlägen zu bewirtschaften. Im dritten Schlag, dem einzigen Brachland, konnten dank einer besseren Düngung unter anderem Runkelrüben, Klee und Kartoffeln angepflanzt werden, während es in anderen Schlägen beim Anbau von Winter- und Sommergetreide blieb. Über den Umfang der Düngung nach Einführung der Bewirtschaftung in drei Schlägen informiert eine Akte des Momarter Gemeindearchivs aus dem Jahre 1874. Danach stand an erster Stelle der Stallmist.
Wie Getreideernte war eine mühevolle und langwierige Handarbeit. Bis tief in das 19. Jahrhundert hinein wurde das Getreide noch mit der Sichel geschnitten. Bei der schonenden Arbeitsweise gab es kaum einen Körnerausfall.

Johann Walther

Der Mann (siehe Foto) fasste einem Bündel Halme mit der linken Hand zusammen und schnitt es mit der Sichel knapp über dem Erdboden ab. Die Frauen hoben das Getreide mit der Sichel vom Boden auf und legt es auf ein bereitgelegtes Strohseil. Das Zusammenbinden besorgt eine andere Frau. Die Garben stellte man zum Trocknen kreisförmig zusammen. Erst um 1875 wurde im Odenwald die Sichel vom Reck, eine Sense mit korbartig im Aufbau abgelöst. Der Mann brauchte sich nunmehr nicht mehr zu bücken. Er konnte zum Schwung ausholen und schneller arbeiten.
Wie aus dem Zahlenverhältnis zwischen Ackerland und Wiesen hervorgeht, gewann die Viehhaltung eine ständig wachsende Bedeutung. Ein Wiesenkulturgesetz vom 7.10.1830 sollte dazu beitragen, die Bedingungen für die Viehwirtschaft zu verbessern und den sich infolge der starken Bevölkerungszunahme abzeichnenden Engpässen bei der Lebensmittelversorgung entgegenzutreten.
Als Zugtiere hielten die größeren Bauern Ochsen und Pferde, die mittleren und kleinen Bauern Kühe. Anfangs dienten die Pferde hauptsächlich zum Reiten, während die Ochsen zu den Feldarbeiten eingespannt wurden. Seit 1870 verdrängten die Pferde mehr und mehr die Ochsen als Zug- und Arbeitstiere. In den letzten Jahrzehnten wurde das Pferd bei der Bewältigung landwirtschaftlicher Arbeiten zunehmend durch den Schlepper ersetzt. 1965 zählte man im Momart schon 36 Traktoren.
In der Heuselsmühle war man von 1845-1905 nachweisbar auf durchschnittlich drei Esel als Lasttiere angewiesen. Noch heute heißt ein Pfad, der von Momart zur einstigen Mühle führt, Eselsweg.

Schäferei

Von großer wirtschaftlicher Bedeutung war in Momart von alters her die Schäferei. Im Güter- und Zinsbuch von 1454/58 wird ein Schafshaus genannt. Bewohnt wurde es von der Familie des jeweiligen Schäfers. Vom Hirtendienst bekam die Familie auch ihren Namen. Im Gültbuch von 1554 ist Jörg Schöffer als Besitzer der weißen Hube verzeichnet. Das Geschlecht der Schöpfer starb in Momart während des 30-jährigen Krieges aus. Danach hatten die Momarter Hubenbauern die Schäferei, im Erbbestand. Gegen Zahlung eines jährlichen fälligen Weidegeldes konnten sie auf ihren Grundstücken gemeinschaftlich Schafe weiden lassen. Sie entlohnten den von Ihnen Angestellten Schäfer. Dieser hatte außerdem das Wohnrecht der Schäfer-Wohnung und er konnte, einen ihm von der Gemeinde als Besoldungsteil überlassenen Garten von 30 Quadratrouten (723 m²) nutzen. Die Hubenbauern räumten den einspännigen Bauern das Recht ein, ein oder zwei Schafe halten und der Herde zu führen zu dürfen. 1839 bekam der Schäfer das Recht zugesprochen, auch die Ländereien der übrigen (kleinen) Bauen zu beweiden. Nach 1845 – das Schriftstück ist ohne Datum – erklärten sich alle schafberechtigten Bauern Momarts bereit, die Schafgerechtigkeit, von der Standesherrschaft Erbach-Fürstenau abzulösen. Dies geschah um 1877. In dem Jahr wird im Momart letztmals eine Schafherde von 175 Stück aktenkundig. Als letzte Schäfer wird in den Gemeinde Akten Peter Koch genannt. 1848 wurde er von der Gemeinde als erste Wasenmeister verpflichtet.

Gemeindehirte

Ein für die Viehwirtschaft wichtiger Mann war lange Zeit der Gemeindehirte. Er gehört mit zur Verkörperung des alten Dorfbildes. Tag für Tag trieb er, spätestens zur Mittagszeit, dass ihm anvertraute Vieh – meistens Schweine – aus dem Dorf. Mit einem langen, tiefen, dumpfen Ton aus seinem Kuhhorn gab er das Signal zum Aufbruch. Die Viehalter ließen ihre Schweine aus dem Stall und gaben ihnen freien Lauf zur Herde. Der Hund halt, die Herde zusammen zu halten. In den Waldungen fielen die Borstentiere vor allem über Eicheln und Buchäckern her.

Obstbau und Bienenzucht

Der Momarter Obstbau lässt sich weit zurückverfolgen. In der Zeit, als im Momart noch das Haingericht tagte, sind in den Gemeinderechnungen Erlöse aus Obstversteigerungen verbucht. Der Erlös erreichte 1814 mit 8 Gulden 23 Kreuze eine Höchstmarke. 1843 wurden die Obstbäume von Raupen befallen. Der Landrat des Bezirks Erbach forderte am 19.04.1843 die Bürgermeisterei Momart auf, binnen 10 Tagen den Vollzug der Reinigung von den Raupennestern anzuzeigen. Im gleichen Jahr ließ die Gemeinde an Gemeindewegen 10 Apfel- und 8 Kirschbäume pflanzen. Die Befruchtung der Obstbäume, aber auch von Raps, Buchweizen, Klee, Fenchel, Kümmel und anderem, besorgen die Bienen. Sie liefern Honig und Wachs. Honig war bis ins späte Mittelalter das einzige Süßungsmittel. Erst mit der Einfuhr des Rohrzuckers aus Amerika im 16. Jahrhundert und der Gewinnung von Rübenzucker (1747) ging die wirtschaftliche Bedeutung der Bienenzucht etwas zurück. Aufschluss über die Momarter Bienenhaltung vor 200 Jahren geben die Fürstenauer Amtsrechnungen. Die Gräflich Erbacher-Fürstenauische Rentkammer beauftragt damals einen „Freyjäger“ an Ort und Stelle die Bienenvölker zu zählen und das Stammgeld einzukassieren. Die Bienenverzeichnisse des „Freyjägers“ enthalten Angaben zur Bienenzucht im Momart. 1784 wurden im Momart weder Imker noch Völker registriert. Von 1795-1802 wurden im Momart aber durchschnittlich 21 Imker und 167 Völker gezählt. Zahlen, die nie mehr erreicht werden sollten. Als größter ortsansässige Imker wird zu dieser Zeit – mit 45 Völkern – Johann Leonard Hoffmann von der weißen Hube genannt.

Forstwirtschaft

Der Wald sorgt in der Natur für ein ökologisches Gleichgewicht. Er schützt vor Überschwemmung und Austrocknung, reichert den Sauerstoffgehalt der Luft an, dient als Speicher für die Wasserversorgung, ist für Tier und Mensch eine Oase der Ruhe und Erholung. Auch wirtschaftlich ist der Wald lebensnotwendig. Er liefert das Bauholz, das Werk- und Schnittholz, das Stangenholz und bis in die jüngste Zeit auch Heizmaterial. Ursprünglich bestand der Odenwald überwiegend aus Laubhölzern. Erst als man damit begonnen hatte, im Raum Reichelsheim um 1730 Kiefern und um 1800 Fichten und Lärchen anzupflanzen, wurde in unserer Heimat eine forstwirtschaftliche Nutzung des Waldes planmäßig betrieben. Die Nadelhölzer gewannen wegen des schnelleren Wachstums und der ergiebigeren Holzerzeugung zunehmend an Bedeutung.
Erste Informationen über die Nutzung des Holzes und das Recht zur Herstellung von Holzkohle in der Momarter Gemarkung erfahren wir aus einem Schriftstück vom 6.12.1787. In ihm wird berichtet, dass es im Momart nie gebräuchlich gewesen sei, Gemeinleuten, so sie keine Hubenbauern waren, in den so genannten Kohlstöcken einen Teil der gefällten Bäume zu überlassen. Die Hubbauern erhielt das Holz als Ausgleich für das Schafweidegeld und andere Kosten, für die sie aufzukommen hatten. Die einspännigen Bauern beschwerten sich gegen diese Regelung durch das Haingericht. Die Kleinbauern fanden allerdings kein Gehör.
Wesentlich größer und ertragreicher als die Kohlstöcke war der Momarter Gemeindewald Mittelholz. Diese hatte 1809 eine Fläche von 46 Morgen und 1861 einen Kapitalwert von 5200 Gulden, während der der Kohlstöcke um diese Zeit nur 100 Gulden betrug. Im Mittelholz kamen auch die „kleinen“ Gemeindsleute in den Genuss von Losholz und Streu. Von alters her hatten die Gemeindsleute bzw. Ortsbürger Anrecht auf unentgeltliche Zuteilung von Losholz aus den Gemeindewaldungen. Die Verteilung nahm man nach Losentscheid vor. Lediglich Hauer- und Setzerlohn musste von den Losholzempfängern vergütet werden. Später wurde das Holz in der Regel versteigert und der Reinerlös an die Losholzberechtigten ausgezahlt. Die ersten Holzversteigerungen aus dem Mittelholz werden in den Gemeinderechnungen 1815 offenkundig.

Jagd

Die Jagdbefugnisse gingen im Revolutionsjahr 1848 von den Standesherren auf die Gemeinden über. Lediglich die herrschaftlichen Waldungen wie die in der Alten Momart blieben von der Neuregelung unberührt. Nachdem es aber, der in der Frankfurter Paulskirche tagenden Nationalversammlung, nicht gelungen war die Revolutionsbewegung zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen, eignete sich die Standesherrschaft das Jagdrecht wieder an. Den Gemeinden wurde als Kompromiss jedoch zugestanden, das Jagdrecht von den Standesherren käuflich zu erwerben.
Die Fischereirechte hingegen verblieben von Anfang an den seitherigen Besitzern. Im Bach des Momarter Grundes, der ab den „zwei Wasser“ die Bezeichnung „Waldbach“ führt, durfte also weiterhin der Graf von Erbach-Erbach fischen.
Nach dem II. Weltkrieg verlagerte sich, aufgrund einer neuen Jagdgesetzgebung, die Zuständigkeit für die Jagdverpachtung von den Gemeinden auf die neu gegründeten Jagdgenossenschaften. Ihr gehörten die Jagdgenossen an, die im Jagdbezirk über jagdbaren Grund und Boden verfügen.

Handwerk

Das Handwerk ist uralt. Berufe wie die des Schmieds, Zimmermanns, Wagners und Töpfers kann man bis in die Vorzeit zurückverfolgen. In Momart lassen sich daher die Berufsnamens wie Müller, Weber, Schneider, Schmidt (Schmied) und Sattler feststellen. Im Mittelalter schlossen sich Meister des gleichen Handwerks oder der gleichen Berufsgruppe zu Zünften zusammen. Die Zünfte haben die Entwicklung und den Wohlstand des Handwerks vom hohen Mittelalter bis in die Mitte des 19. Jahrhundert entscheidend mitbestimmt. Sie sorgen für ein standesgemäßes Einkommen der Meister wie auch für angemessene Preise zu Gunsten der Verbraucher. Sie spannen Meister, Gesellen und Lehrlinge in eine festgefügte berufliche Ordnung ein. Heute entsprechen den alten Zünften die Innungen.
In Momart waren laut Kirchenbücher seit dem 18. Jahrhundert nachweislich 15 Leineweber, 15 Tuchmacher, 12 Schumacher, 6 Schneider und 3 Strumpfweber im Bereich Bekleidung tätig. Zahlenmäßig folgt dann 11 Schmiede, 9 Schreiner, 7 Rechenmacher, 4 Zimmerleute, 3 Maurer, 3 Weißbinder, 3 Müller, 2 Metzger und jeweils ein Töpfer, Scherenschleifer, Besenbinder und Bäcker.
Das Handwerk der Rechenmacher hat in Momart eine lange Tradition. Betrieben wurde es von 1811 bis etwa 1960 von fünf Generationen einer Familie Weber und von zwei Generationen einer Familie Friedrich. Die Momarter Rechenmacher fertigten Heu- und Streuselrechen, Reffe und Sensenwürfe.  Sie griffen auf naturgewachsenes oder gerissenes Holz zurück. Zur Herstellung der Rechen nahmen sie Buchenholz, während sie sich bei Sensenwürfen des härteren Eschenholzes bedienten. Auf besonderen Wunsch der Kunden verwendeten sie auch Haselnussholz, dass sie in den Wäldern selbst suchten. Das Buchenholz erwerben sie als Stammholz vom gräflichen Forstamt und ließen es in eine Sägemühle zu Brettern schneiden.

Familie des Rechenmachers Georg Weber II.

Die weitere Holzbearbeitung erfolgte mit der Band- und später Kreissäge in der Scheune oder in einem Kellerraum des Wohnhauses. Georg Weber der II. betrieb mit den Rechen ein blühendes Geschäft. Auf fremde Hilfe war er nicht angewiesen, da ihm seine fünf Söhne in ihrer Freizeit halfen. Die Erzeugnisse der Familie Weber wurden zum kleineren Teil an Bauersleute der näheren Umgebung verkauft, zum größeren Teil aber an Ladengeschäfte im Odenwald, in Darmstadt und im Raum Eberbach/Neckar verschickt.

Momart hatte seit 1841 am Waldbach unmittelbar an der Zeller Gemarkungsgrenze eine, von einem oberschlächtigen Mühlrad angetriebene, eigene Mühle. Erbaut wurde sie von dem gebürtigen Nieder-Kinziger Johann Georg Häusel. Aus dem Lageplan von 1841 ist zu ersehen, dass ein altes Wasserwerk und ein Wassergraben, die noch heute (1966) benutzt werden, die Wasserzufuhr zum Mühlrad sicherstellten. Ursprünglich war die Häuselsmühle, durch den Mühlbann, den Momatern Bauern zugewiesen. Der dorthin führende „Eselsweg“ erinnert daran, wer die Getreide- und Mehlsäcke schleppte. Es wird erzählt, dass die Esel den Weg von und zur Mühle ohne Führung fanden.

Zigarrenmacher

Seit Ende des 19. Jahrhunderts gab es unter den Momarter Arbeitern einen ständig wachsenden Anteil an Zigarrenmachern. Die Tabakindustrie des Odenwaldes blühte auf, nachdem die Hamburger Zigarrenfabrik “Carl Mühle & Co.“ im Jahre 1894 ihren Betrieb nach König verlegt hatte. Vorausgegangen war ein großer Streik der Hamburger Zigarrenmacher. Im Odenwald fand die Betriebsleitung, die gewünschten billigeren und genügsameren Arbeitskräfte vor. König entwickelte sich zur Metropole der Odenwälder Zigarrenindustrie. Die Königer Zigarrenfabriken florierten und beschäftigten zeitweise bis zu 500 Arbeiter – auch aus umliegenden Orten wie Momart, Zell, Brombach und Fürstengrund. 1936 kam die Zigarrenfabrikation in König zum Erliegen. Die Tabakfabriken mussten ihre Tore schließen. Gründe waren hohe Einfuhrzölle, die Angleichung der ländlichen Arbeitslöhne auf das städtische Niveau und die Einführung der Wickelmaschine. Als Ausgleich entstanden in Mümlingtal andere Industriezweige und Standorte, so dass die ausgedienten Zigarrenmacher – so sie dazu willens waren – andere Arbeitsplätze fanden.

Handel

In Momart lässt sich eine Reihe von Häusern ermitteln, in denen zeitweise eine Spezereihandlung eingerichtet war. In ihr konnten Kleinigkeiten für die täglichen Bedarf gekauft werden wie Gewürze, Salz, Zucker, Essig, Kaffee, Speiseöl, Heringe, Tabakware, Zündhölzer und Petroleum. Die Inhaber dieser Lädchen nannte man Krämer. Drei der Lädchen waren in der Hohen Straße, eines in der Talblickstraße. Nach Erzählungen mussten die Kolonialwaren, mühsam auf dem Rücken, zu Fuß, von Zell in den Höhenort Momart getragen werden.

Gaststätten

Die erste Gaststätte Momarts, die sich in den Gemeindeakten feststellen ließ, wurde gegen Ende des 18. Jahrhundert in der heutigen Hohen Straße in dem unlängst abgerissenen Haus „Strumpf-Hannese“ von Johann Philipp Lust (1750-1803) unterhalten. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts fanden die Sitzungen des Haingericht im Gasthaus des Johann Peter Kredel (1756-1829) statt.

Bergbau

Die Momarter Flurnamen „Erdlöcher“ und „Eisengrube“ machen deutlich, dass wie in vielen anderen Orten des Odenwaldes auch, in Momart eisenhaltiges Gestein vorhanden war und gefördert wurde. Die älteste im Odenwald gültige Bergordnung liegt aus dem Jahre 1472 vor und dürfte auch für den Erzabbau im Momart verbindlich gewesen sein. In der ältesten Einwohnerliste Momarts von 1452/58 wird ein Heintze Ysenhauer (Eisenhauer) genannt. Dies lässt darauf schließen, dass bereits in dieser frühen Zeit in Momart Erz gefördert wurde.

Sozialer Strukturwandel

Momart war ursprünglich ein reines Bauerndorf. Anfangs waren die Bauersleute noch ihre eigenen Handwerker. Sie konnten kleinere Wagner- und Weberarbeiten selbst bewerkstelligen sowie Gebrauchsgegenstände wie Körbe und Reisigbesen herstellen. Die wirtschaftliche und soziale Struktur des Ortes begann sich erst zu Beginn des 19. Jahrhundert zu verändern, als die Bevölkerungszahl sprunghaft anstieg und der Grundbesitz – die Ernährungsgrundlage – immer knapper wurde. Kleinere Landwirte mussten zusätzlich ein Handwerk ergreifen, um ihre Familien ernähren zu können. Die relativ hohe Zahl an Handwerkern lässt sich auch mit der abgeschlossenen Lage des Ortes, ohne jeglichen Durchgangsverkehr erklären.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert verringert sich der Anteil der Handwerker zu Gunsten der Arbeiter. Durch die Straßenverbindungen nach Zell und König war man im Momart beweglicher geworden und tätigte zunehmend Einkäufe in größeren benachbarten Orten. In den dreißiger Jahren fanden immer mehr Momarter einen Arbeitsplatz in Industriestandorten des Mümlingtals. Die statistischen Zahlen belegen, dass die Landwirtschaft in Momart bis Mitte unseres Jahrhunderts ihre führende Rolle behaupten konnten. Dies wird noch dadurch unterstrichen, dass die meisten Arbeiter, Handwerker und Taglöhner einen Garten, ein kleines Stück Land und eine Wiese bewirtschafteten, um sich eine Kuh oder Ziege halten zu können. Die Landwirtschaft blieb wichtigster Wirtschaftszweig und verlor ihre vorherrschende Stelle erst in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg, als durch das “Wirtschaftswunder“ immer mehr kleine und mittlere Landwirte in die Industrie abwanderten.